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Gerechte Ruhe und Müßiggang

GrEv I/220 — DER HERR: "Was sich der Mensch mit seinen ihm von Gott verliehenen Kräften nicht selbsttätig verschafft, das kann und darf ihm auch Gott nicht verschaffen, ohne ihn zu richten! Darum seid denn nicht eitel pure Hörer Meines Wortes, sondern eifrige Täter desselben, so werdet ihr dessen Segnungen in euch wahrnehmen!

Denn das Leben ist ein Tun und kein Müßigstehen der Kräfte. Und so muß das Leben auch durch die fortwährende Tätigkeit der sämtlichen Kräfte für ewig erhalten werden. Denn in dem Sich-zur-Ruhe-Legen waltet kein bleibendes Leben.

Das gewisse Wohlgefühl, das euch die Ruhe beut, ist nichts als ein teilweiser Tod der zum Leben erforderlichen Kräfte. Wer stets mehr und mehr an der tatlosen Ruhe, besonders der geistigen Lebenskräfte, ein behagliches Wohlgefallen findet, der schiebt sich dadurch stets mehr dem wirklichen Tod in die Arme, aus denen ihn auch kein Gott leicht mehr befreien wird!

Ja, es gibt auch eine rechte Ruhe voll Lebens. Aber die ist in Gott und ist für jeden Menschen ein unnennbar beseligendes Gefühl der Zufriedenheit, nach dem Willen Gottes tätig gewesen zu sein. Dieses beseligende Zufriedenheitsgefühl und die klare Erkenntnis, wahrhaft nach der Ordnung Gottes gleichfort gehandelt zu haben, ist die bewußte rechte "Ruhe in Gott", die allein voll Lebens ist, weil voll Tatkraft und Handlung. — Jede andere Ruhe, die in einem Aufhören der Lebenskräfte besteht, aber ist, wie schon gesagt, ein wahrer Tod insoweit, als die verschiedenen Lebenskräfte sich der Tätigkeit entzogen haben.

Wie aber der Leib durch zu vielen Schlaf stets mehr und mehr tot wird, ebenso und noch bei weitem mehr wird es die Seele, wenn sie mehr und mehr nachläßt in ihrer Tätigkeit nach Meinem Worte und Willen. Wo aber der Müßiggang sich einmal in eine Seele eingenistet hat, da nistet sich auch bald das Laster ein. Denn der Müßiggang ist nichts als eine sich selbst wohltuende Liebe, die jede Tätigkeit für jemand anderen flieht, weil sie im Grunde nur will, daß alle anderen zu ihren Gunsten und Nutzen arbeiten sollen! Darum hütet euch insbesondere auch vor dem Müßiggange! Denn der ist ein wahres Samenkorn für alle möglichen Laster!

Nach getaner Arbeit ist eine mäßige Ruhe gut den Gliedern des Leibes, aber eine übermäßige schlechter als gar keine."

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